Presserückblick

Bezaubernde Mischung aus Magie und Comedy

Mit seinem jüngsten Werk "Zeitraffer" zog Michel Gammenthaler am vergangenen Samstagabend das Publikum in der Aula der Oberstufe Kirchberg in seinen Bann.

Wer sich einen Platz am Kultur-Highlight mit Michel Gammenthaler ergattern wollte, musste sich sein Ticket beim Kulturverein "Open Ohr" schon früh sichern. Seit über zehn Jahren gastiert der 36-jährige Michel Gammenthaler auf Schweizer Bühnen und überzeugt die Zuschauer mit Zauberei, Schauspielkunst und Comedy. Bis auf den letzten Platz war die Aula der Oberstufe Kirchberg gefüllt und gespannt erwartete das Publikum den Schweizer Künstler.

Verwandlungskünstler

Komiker, Magier und Schauspieler zugleich. So lässt sich die Bühnenpräsenz von Michel Gammenthaler beschreiben, der kürzlich mit dem renommierten "Salzburger Stier" ausgezeichnet wurde. Sein drittes Soloprogramm startete er mit einem Referat über die Zeit. - Die vergessene Zeit als Kleinkind, die nicht schwindende Zeit in der Schule und den Moment, in dem zeit zu Geld wird. Die Zeit läuft. - Ja, sie rast sogar. Mit Notmassnahmen wie Multi-Tasking oder Anti-Aging versucht er dieser eilenden Zeit entgegenzuwirken. Mit einer Trickdichte von gerade neun Zauberkunststücken wollte er das Publikum durch den Abend führen. Dabei betrat er die Bühne beispielsweise als betagte Witwe Hedi Hegetschwiler, welcher es nach unzähligen missglückten Versuchen doch gelang den Sieben-Karten-Trick vorzuführen. Oder er riet dem Publikum als schwuler Ernährungsexperte Serge Widmer zu Aqua-Fit, Power-Plate oder hochwirkungsvollen Verjüngungscrèmes, welche unerwünschte Nebeneffekte mit sich bringen.

Komik und Magie

Anschliessend forderte Michel Gammenthaler die Zuschauer dazu auf, intuitiver zu werden und die beiden Hirnhälften miteinander zu verbinden. Dabei wurde das Publikum durch verschiedene Übungen interaktiv zum Mitmachen animiert.

Als erleuchteter, in der Schweiz wohnhafter Deutscher berichtete er über seinen zweiwöchigen Ayurveda-Kurs in Indien, bei welchem er sich der Zeit bewusst wurde. Bei seinen Auftritten in verschiedenen Rollen führte er jeweils in meisterhafter Perfektion bezaubernde Tricks und Verwirrspiele auf. Neben magischen Kunststücken gelang  es ihm, auch das Publikum mit einem grossen Repertoire an scherzhaften Witzen wie „Was essen Programmierer von Suchmaschinen am liebsten? – Google-hopf“ von den Sitzen zu reissen. Die grosse Lachnummer war der zweite Auftritt als Witwe Hedi Hegetschwiler.

Zum Abschluss agierte Gammenthaler in der Rolle des unheimlichen Hellsehers Dimitri Banocek, welcher in russischem Akzent von seiner Klientel berichtete und einer Zuschauerin die Gedanken las. „Ich bemerke gerade, wir sind bei 13 angekommen.- Meiner Lieblingszahl.“ Mit diesen Worten, gefärbt in einem dramatischen Unterton und im Schein zweier Kerzen, verabschiedete sich Gammenthaler vom entflammten Publikum.

Das Publikum war vom Abend nicht nur begeistert, sondern schlichtweg verzaubert und forderte Zugabe um Zugabe. Diese erhielt es in Gammenthalers erster Erfolgsnummer, als er den rappenden Jongleur Cisi nachahmte.

Franziska Huber, Wiler Zeitung - April 2010

 

Meisterhafte Hochzeit von Humor und Zauberei

Mit Michel Gammenthaler gastierte ein weiterer Gewinner des Kleinkunstpreises «Salzburger Stier» im Kirchberger Oberstufenschulhaus. Organisator war der Kulturverein OpenOhr.

Bei Kleinkunstveranstaltungen beschleichen einen manchmal Zweifel, ob man dem Gezeigten mit Worten gerecht werden kann. Die letzte OpenOhr Veranstaltung war so ein Fall. Der Klaviertuose Fischer musste in Musik und Komik erfasst werden und verlangte dem Publikum alles ab. Michel Gammenthaler gab mit seinem Programm «Zeitraffer» zu keinerlei Zweifel Anlass und das ist durchweg im positiven Sinn zu verstehen. Auf seinen aktuellen Flyern verspricht Gammenthaler eine sprühende Mixtur aus Komik, Magie und Schauspiel, die schneller vorbei ist, als einem lieb sein kann. Dem humoristischen Geniesser zaubert Gammenthaler aus diesen Zutaten ein saftig leichtes Gebräu, so erfrischend und belebend wie das kühle Lieblingsgetränk nach einem schwülen Sommertag.

Er trifft den Zeitgeist

Gammenthaler treibt die Auswüchse der postmodernen Welt auf die Spitze: Amerikanisierung, Digitalisierung, Multi-Tasking, Anti-Aging, Gesundheitswahn. Auf leisen Sohlen sind sie gekommen und haben von uns Besitz ergriffen. Doch an Gammenthaler schleichen sie nicht vorbei, er hat ihr Stampfen gehört, stoppt die Zeit und gibt der im Temporausch verzerrten Wirklichkeit klare Gesichter. Er hält dem Publikum den viel zitierten Spiegel vor. In Gammenthalers Gesellschaftsspiegel sehen die Zuschauer die menschlichen Mutanten der Gegenwart. Verkabelte Teenager, immer online und «an der Leine», High-Tech Greise mit Hörgerät in der «Seniorenresidenz», Englisch-Deutsch predigende Fitnessgurus und All-inclusive Touristen, in Indien auf der Suche nach Erleuchtung. Dabei hat es Gammenthaler höchst eilig, schliesslich droht ihm der Ausschluss aus der Magiergesellschaft wegen «lausiger Trickdichte.»

Skurrile Gestalten

Gammenthaler spielt seine Figuren angenehm klar und plakativ, ohne dabei Charakter vermissen zu lassen. Sympathische Erscheinungen wie die kartentricksende und «hop-hipende» Seniorin Hedi Hegetschwiler oder der tuntige Beautyexperte Serge zünden ebenso schnell wie der chronisch gleichermassen schlecht «Schwizertütsch» wie Englisch sprechende Alterspfleger Volker mit seinen unendlichen Wortspielen. Aus ihnen kreiert Gammenthaler eine bunte Collage von skurrilen Lebensformen, unterhält bestens und versetzt sein Publikum in ungläubiges Staunen. Gammenthaler krönt die treffenden Darstellungen immer wieder mit erstaunlichen Griffen in seine Trickkiste. Eine solche hat er tatsächlich dabei, ein silberner Koffer aus dem Hedi, Serge und Co. Karten, Nadeln und Golfbälle entnehmen. Die Karten werden vermehrt, die Nadel durch den Arm gebohrt und der Golfball verschwindet im Jacket, um einen Wimpernschlag später unter einem Becher wieder aufzutauchen.

Magie und Witz

Die starke Interaktion mit seinem Publikum ist eine weitere Komponente, die Gammenthaler von der grossen Masse der monologhaltenden Künstler abhebt. So holt er Roman auf die Bühne, führt unter dessen Assistenz einen Kartentrick durch und macht als Anti-Aging Experte Serge Stefan Avancen, der in der vordersten Reihe sitzt. Die Vollendung seiner meisterhaften Vermählung von Magie und Witz vollzieht Gammenthaler mit seinem letzten Charakter, dem russischen Hellseher Dimitri Banoczek. Gammenthaler öffnet seine Mähne, streift sich ein funkelndes Amulett über, und bittet die Zuschauerin Diana in bedrohlicher Haltung auf die Bretter. In einem ausschweifenden Verfahren errät er im Stile eines grossen Mentalisten Namen, Alter und Verwandtschaftsgrad von Dianas Enkelin. Der Trick ist so gut, dass der zuvor vehement bestrittene Einwand der Bestechung sich beinahe wieder aufdrängt und erneut Applaus durch die Aula des Oberstufenschulhauses Lerchenfeld donnert. Auf dem digitalen Trickzähler leuchtet die Dreizehn auf und Gammenthaler verabschiedet sich, zufrieden mit seiner heutigen «Trickdichte».

Ein weiterer Hochkaräter  

Mit Michel Gammenthaler hat der Kulturverein OpenOhr einen weiteren preisgekrönten Leckerbissen der Kleinkunst nach Kirchberg geholt, der vollkommen zu überzeugen wusste. Manche sprechen von einem «Neuen Genre der Kleinkunst», doch Gammenthalers Meisterschaft liegt in der spielenden Verbindung der hochwertigen Zutaten: Zündende Pointen und zauberhafte Momente, vorgetragen mit der lakonischen Gelassenheit eines Peach Weber. Prädikat: Erfrischend und höchst empfehlenswert.

Pablo Rohner, Alttoggenburger - April 2010